Badezimmerschränckchen
Im Folgenden habe ich ein paar Bilder vom Bau und des fertigen Schränkchens hochgeladen.
Bevor man so ein Projekt gemacht hat, weiß man häufig nicht, wie gut das Ergebnis einem am Ende gefällt. Manchmal träumt man von einem perfektioniert ausgelegt und verarbeiteten Produkt, weil man das auch so gewohnt ist aus den Produkten, die man kaufen kann. Man vergisst dabei, dass man zu Hause nur recht simple Mittel und Werkzeuge zur Verfügung hat und erkennt ebenso bspw., dass man bei der Auslegung und Konstruktion Fehler gemacht hat, und dann funktionert auch die Handhabung irgendwie nicht so optimal. Dann sieht man, dass hinter Konsumprodukten viel Erfahrung und Entwicklungsarbeit steckt, die man alleine zu Hause nicht so ohne weiteres „mal eben“ leisten kann.
Im Falle dieses Schränckchens jedoch hatte ich Glück: Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Ich bin sehr sehr zufrieden mit dem Ergebnis, und ehrlich gesagt: Das sieht doch schon ein wenig so aus, wie wenn es in den Bereich Design oder Kunst reicht 🙂 (Auch wenn ich mich natürlich hier nicht messe mit einem Fachmann oder jemand der langjährige Erfahrung mit Holz besitzt, denn sowohl Werkzeug als auch die Technik meiner Verarbeitung sind dagegen natürlich primitiv).
Kurz etwas zum Material: Ich liebe es, mit gebrauchten Sachen zu arbeiten, einmal aus rein umweltmäßigen Aspekten, einmal auch aus Prinzip heraus selbst, dass man den Wert von Sachen wertschätzt und Dinge nicht einfach immer wegschmeißt.
So habe ich in diesem Fall nach etwas Warten bei Ebay eine blau lasierte Holzplatte gefunden, die der Besitzer offenbar als Kindertisch eingesetzt hat. Diese Platte hat deutliche Gebrauchtspuren und war sogar in der Länge durchgebogen, was aber bei meiner Anwendung egal war, denn das Brett wurde auf Größe der Regalbretter kleingesägt, so dass diese Durchbiegung nicht mehr ins Gewicht fällt. Die Platte war leicht überteuert (20 Euro), aber ich glaube nicht mit böser Absicht, sondern als eine Art Fehleinschätzung. Ich hätte die eher bei 10 Euro gesehen. Die Pfosten, die als Füße dienen, hatte ich im Keller stehen und auf Maß zugesägt. Ich habe Transparentlack dafür gekauft und das sieht geil aus. Für die Platte habe ich eine ähnliche blaue Lasur nicht gefunden mit dem gleichen Farbton und einen blauen Lack gekauft, der zumindest ähnich aussieht. Der ist vor allem für die Schnittkanten.
Damit landet man leider immer noch bei 30-40 Euro insgesamt, was für ein selbstgebautes Regal schon irgenwie schmerzt. Dafür habe ich nun eine Sonderanfertigung, die geil aussieht und die es nirgendwo zu kaufen gibt, und die genau in die Ecke neben der Waschmaschine reinpasst.
Ach ja: Besonders gut ist das auch mit der Glasplatte geworden. Die Glasplatte ist eine Einlegeplatte aus einem alten Kühlschrank. Glücklicherweise passen ihre Maße genauso, dass es fürs Auge stimmig ist, und dass die Funktion gut ist. Ich hatte mir vor dem Bau erträumt, dass man durch die Platte auf das Regalbrett eins tiefer schauen kann, weil es ja manchmal doof ist, wenn man auf einem Regal nur das oberste Brett sieht und man unten gar nicht sieht, was da so ist. Diese Idee hat sich dann in der Praxis als perfekt funktionierend herausgestellt. Es ist so, dass man gut nach unten sehen kann, es ist nicht irgendwie zu dunkel oder verspiegelt, der psychologische Effekt, dass der Schrank nicht einfach zugebaut ist, sondern durch das Glas einsehbar wird, stellt sich perfekt ein. So ein Ergebnis kann man am Anfang nicht immer genau vorhersehen, hier passte einfach alles.
Dadurch, dass das blaue Brett Gebrauchtspuren hat und meine Werkzeuge keine „perfekten“ Schnitte und Ergebnisse ermöglichen, stellt sich beim dem Schränckchen der schöne Vintage-Effekt und die liebevolle Unvollkommenheit eines Selbstbauprojekts ein, es ist gut verarbeitet aber mit dem Charme von kleinen Fehlern und Gebrauchtspuren.