Küchenregal

Hier will ich die Entstehung meines Küchenregals mit Bildern zeigen und etwas Text dazu schreiben.

In meiner Wohnung, sowie überhaupt generell bin ich mittlerweile dazu übergegangen, vorwiegend gebrauchte und recyclete Materialien zu verwenden. Der folgende Absatz spiegelt nur Meinungen aus meinem Bauchgefühl wieder. Ich habe die Dinge nicht weiter auf Fakten überprüft. In unserer Zeit herrscht das Primat des Verstandes. Gefühle werden als störende Anhängsel betrachtet, die sich dem Verstand unterordnen müssen. Ich bin mir bewusst, dass ich manchmal Gefühle verteidige, wo ich manchmal – zumindest nach dem was für mich sichtbar ist – sogar meinem Verstand widerspreche.

Also: Warum ich recylete Materialien benutze ist, weil ich es sehr schade finde, dass Dinge heutzutage oft nicht mehr wertgeschätzt werden. Auch ich selbst habe verlernt, mich an kleinen Dingen zu freuen und versuche, es wieder neu zu erlernen. Es ist keine Schande dass Menschen in Konsumgütern Zuflucht suchen, bspw. als ich arbeiten musste, um mein Geld zu verdienen, und dabei als Ingenieur technische Artikel entwicklen musste, die ich selbst gar nicht befürworte (bspw. Automobil-Rückspiegel) habe ich auch mit dem überschüssigen Geld versucht, die verlorene Lebenszeit mit kaufbaren Dingen wieder zu erkaufen. Jedenfalls tut es mir sehr weh wenn ich sehe, dass Menschen nach  2 Jahren ihre Küche auf den Sperrmüll geben und sie durch eine neue ersetzen. Ich möchte niemanden angreifen, der sowas vielleicht gemacht hat. Ich verstehe es, weil ich selbst diesem Denken unterworfen war. Was mich sehr belastet ist meine Annahme, dass es in Deutschland vermutlich kaum Materialen gibt, die wirklich zuverlässig recyclet werden. Es gibt schon öfter Packungen, v.a. im Bio-Bereich, die aus recycleten Stoffen hergestellt sind. Jedoch fehlt mir vor allem auch dort das Vertrauen, ob es wirklich vernünftig gemacht wird. Häufig ist ein Betrug, einfach eine Lüge, häufig werden Dinge kaschiert. Bspw. auch eine hochgelobte 100% aus recyclebarem Material hergestellte Verpackung muss erstens irgendwie recyclet werden, wofür vielleicht giftige Stoffe anfallen o.ä. Zudem ist diese Verpackung selbst dann immer noch ein Problem, denn sie ist dann am Ende des Zyklus angekommen und kann nicht mehr weiter recyclet werden. Viel schlimmer ist bspw. mit dem ganzen grünen Punkt-Irrsinn, wo man häufig schon aus offziellen Angaben ersieht, dass dort bspw. 70% des Abfalls auch nur verbrannt wird. Was passiert mit den verbrannten Stoffen, wenn sie nicht richtig abgebaut werden können ? Als ich  letztes Mal im Park war, habe ich die Blätter eines Baumes (Rhododendron) gestreichelt. Dabei habe ich gemerkt, dass eine abbreibare Schicht sich dort abgesetzt hat. Ich bin kein Biologe oder Pflanzenkundler. Es schien mir aber kein natürlicher Vorgang zu sein. Ich kann mich hier auch wirklich täuschen, bspw. meine eigene Haut kann ich auch ähnlich vom Körper abstreifen, bspw. nach Auftragen von AloeVera oder nach dem Duschen (Rückenpartie). Wobei dort natürlich auch vermutlich fremde Stoffe aus dem Körper entgiftet werden. Jedenfalls bietet uns vermutlich nicht eine einzige Firma in Deutschland irgendein Material an, das uns wirklich zuverlässig erkennen lässt, dass man vom Anfang bis Ende ein sinnvolles Konzept erarbeitet hat. Was ich mir wünschen würde wäre bspw. dass eine Firma den kompletten Vorgang offenlegt und die Produktion auf der Internetseite mit einem Video zeigt und den Recyclingvorgang für Laien anschaulich erklärt und für Experten auf weiteren Links nachvollziehbar macht. Dies ist ein Widerspruch zum heutigen Wirtschaftssystem, es ist vermutlich nicht umsetzbar. Also haben wir ein Problem mit unserem Wirtschaftssystem. Ich habe vor Kurzem Informationen über Styropor bekommen. Ich wollte dem Material noch gute Aspekte abgewinnen, aber bspw. habe ich erfahren, dass es beim Bauen immer aufgeklebt wird. Daher kann man es nach dem Abreissen bspw. eines Raumes oder eines Gebäudes nicht mehr verwenden, die Platten brechen. Wie gesagt, keine Ahnung, wie das in der Praxis funktioniert, jedenfalls sagt mir ein Bauchgefühl, dass man beim Abreissen von Häusern einfach alles in den Baucontainer wirft und dann kommt es zum Verbrennen oder auf  die Deponie. Ein katastrophaler Zustand. Das soll alles nur meine Gefühle wiedergeben, ich kann wissenschaftlich und sauber arbeiten, aber darum geht es mir hier nicht.

 

Ich möchte erzählen, auf was ich beim Herstellen des Regals gestoßen bin und dabei vielleicht indirekt vielleicht ein wenig Tipps geben, auf was man beim Herstellen achten soll. Man kann so etwas systematisch angehen. Es gibt bestimmt zahlreiches Material im Internet, die ein didaktisch und systematisch viel besser aufbereitetes Konzept geben. Mir geht es hier nur ums Erzählen, nicht um eine Anleitung wie man Möbel baut.

Ich habe drei dieser typischen Pressspran-Platten auf der Straße aufgesammelt, in meinem Wohngebiet stellen die Leute häufig Sachen zum Verschenken raus. Die Platten waren weiß beschichtet, wie man das z.B. bei Küchen und Bad bei einfachen Möbeln oft hat.

Ich wollte diesen Platten dann eine neue Farbe geben, damit sie in die Küche passen. Zuerst habe ich versucht, die weiße Beschichtung abzubekommen, aber das ist nicht so einfach. Ich habe einen Hobel zu Hause, damit habe ich es versucht. Da ich die Technik nicht richtig beherrsche und auch der Hobel selbst richtig eingestellt werden muss und ich auch nicht weiß, ob er evtl beschädigt war, habe ich das nur auf einer oder zwei Seiten gemacht. Die Oberfläche wurde dadurch manchmal zu stark zerfurcht, man muss sowas ein wenig üben.

Ich habe es dann dabei belassen, die Platten mit Schleifpapier zu schleifen. Wenn ich mich recht erinnere habe ich die weiße Schicht in etwas so weit runtergeschleift, bis das Holz durchschimmerte. Übrigens ist diese Schicht öglicherweise einfach nur eine Art Papier, mit dem Hobel konnte man manchmal die Schicht komplett sauber trennen, so dass auf dem „Papier“ kein Holz dran war, Holz und Papier waren komplett sauber getrennt. Das funktionierte aber nicht immer. Als ich mit dem Hobel- bzw. Schleifergebnis fertig war, habe ich eine Holzgrundierung aufgetragen. Das sieht man auf den Bildern dort wo die Platten weiß sind.

Im Anschluss an die Grundierung wurde die Farbe je nachdem ein oder zweimal aufgetragen.

Für die Standbeine des Regals habe ich ebenfalls gebrauchtes Holz benutzt. Ich habe erkannt, dass manche Holzlatten gebogen waren. Natürlich habe ich meinem Ehrgeiz nachgegeben und dieses Holz verwendet, um es zu recyclen. Das Ergbnis war, dass ich mir dabei viele Probleme eingehandelt habe. Denn auch die Position der Löcher in den Platten, wo die Beine durchgeführt werden, weicht dann von einem idealen Maß ab. Ich habe an den Löchern viel nachgearbeitet, immer wieder mit der Wasserwaage sowohl Beine als auch die Regalplatten waagrecht und senkrecht gehalten und mit mit einem aushärtenden Füllharz die Löcher immer wieder angepasst, gefüllt und wieder nachgeschleift.

Ich kann es nicht empfehlen, schräges Holz zu benutzen für so etwas, es sei denn, man hat sehr viel Zeit, dann kann man versuchen, den Fehler evtl. systematisch anzugehen.

Dass das Regal eine Schräge hat auf den Platten liegt daran, dass es in eine Nische in der Küche kommt, und da wo diese Schräge ist, wird die Küchentüre „anstoßen“. Ich habe die Türe mit zwei Schaumstoffelementen versehen, so dass sie nicht direkt auf das Regal stoßen kann. Optisch wirkt diese Schräge in meinen Augen sehr angenehm.

Ich bin auch sehr stolz auf die Detailausarbeitung der Platten. Unten ist eine weiße Schicht, oben die beiden grünen Platten. Die untere Platte habe ich mit einem Stahlband versehen, die oberen beiden Platten an den Rändern mit einer Art Holzfurnier. Es sieht finde ich sehr nach Küche aus, mit dieser weißen Platte unten.

Weitere Gedanken:

Da ich mein Wohnzimmer als Werkstatt nutzen musste, bin ich unter Zeitdruck und etwas Stress bei der Herstellung des Regals gewesen. Denn ich habe bspw. Böcke zum Sägen aufgebaut, die ich nicht jedesmal wieder wegräumen wollte, und daher stehen die im Wohnzimmer herum und blockieren den Platz. Das Sofa ist nicht mehr frei und ich kann abends nicht mehr recht entspannen. Ich kann außer dem Regal nicht mehr so viele Dinge tun in der Wohnung und das belastet. Daher entstehen Fehler, die ich bewusst wahrnehme und in Kauf nehme.

Manche Fehler würde ich vielleicht auch machen ohne Druck und Stress, weil ich ja nicht zum professionellen Arbeiten gezwungen bin.

Nochmal konkret Fehler, die entstanden sind (ich habe es oben schon angdeutet):

Die Platten konnte ich nicht auf einmal (übereinander) sägen, weil meine Stichsäge das nicht hergibt. Ich habe die Platten einzeln nach Linien gesägt, die ich mit einer Schablone auf die Ausgangsplatten gemalt habe. Die Platten waren am Ende nicht exakt in der gleichen Form. Für die Löcher, wo die Füße reinkommen, habe ich sie also bestmöglich aber eben nicht passend übereinander gelegt. Allerdings sollten die Zeichnungen der Löcher auf den Platten selbst dann schon „perfekt“ übereinander gekommen sein, denn ich habe die drei Platten mit Schraubzwingen verspannte und dann von oben durch alle drei durchgebohrt. So hatte ich auf allen Platten eine Markierung, die eine Art gemeinsamen Referenzpunkt darstellten.

Vor allem aber die vier Standbeine des Regals sind von Anfang an nicht exakt gerade gewesen (wie oben schon gesagt). Daher mussten die Löcher in den Platten nachgearbeitet werden. Das ergab weitere Problem, denn die Platten liegen auf Stahlstiften auf, die durch die Beine gesteckt werden, und das hängt ja wieder von der richtigen Position der Löcher ab. Daher die vielen Probleme beim Ausgleichen der schrägen Holzleisten. Ich kann so was nicht empfehlen, wenn man nicht über sehr viel Zeit verfügt und auch genug Erfahrung hat, damit umzugehen.

Ich habe die Statik nicht im Vornherein durchdacht. Vier Füße und Spiel in den Löchern, wo sie reinkommen, sorgen für ein recht kippliges Konstrukt. Umso genauer ich die Löcher nachgearbeitet habe (Aufdickung durch Harz + Sägespäne) und die Aufnahmen für die Stifte optimiert habe, umso mehr Stabilität konnte ich gewinnen. Vor allem habe ich dann das Regal nach Ausrichten mit der Wasserwaage noch mit drei dünnen Leisten verstärkt, was glaube ich nochmal stark Stabilität gibt. Da die Leisten sehr dünn sind, muss man vorsichtig sein, das Regal jetzt nicht zu stark durch z.B. Bewegen im Raum zu belasten. Ich will das Regal am Ende mit zwei Schraube in der Wand befestigen, dann sollte es wirklich sehr stabil und robust stehen.

Will man ein solches Regal bauen, sollte man sich am besten im Vorfeld genau die Statik überlegen, den Schwerpunkt und die Stabilität der Konstruktion in sich selbst. 

Das Arbeiten mit krummen Ausgangsteilen ist wie gesagt nicht empfehlenswert ich wollte halt vorhandenes Material aus Umweltgründen „rececycln“ bzw. halt einfach benutzen, und daher hatte ich hier keine Wahl. Vielleicht versuche ich es doch wieder, denn ich bin jetzt ja schlauer.

Beim Streichen scheinen manchmal nach einem oder zwei Anstrichen hellere Stellen noch durch. Beim grünen Acryllack konnte ich diese Stellen glaube ich recht gut durch Auftragen von Klecksen an genau diesen Stellen dann dicht bekommen. Beim braunen Kunstharzlack scheiterte dieses Vorgehen kläglich. Die Kleckse behielten nach dem Trocknen ihre Ränder bei und man sah sie ganz stark. Ich habe das dann nochmal nachgeschliffen und dann das ganze Brett nochmal überstrichen.

Die Dämpfe des Lacks im Wohnzimmer sind in Schlafzimmer gezogen und evtl. zusammen mit dem Streß habe ich Kopfschmerzen bekommen.

Was ich bspw. nicht bedacht habe: Dies seitlichen Stabilisierungstreben kollidierten mit den Zierleisten, ich musste die Zierleisten an dieser Stelle trennen.

Nach dem Lackieren sind die Bohrungen für diese seitlichen Zierleisten nicht mehr sichtbar gewesen.

Ich habe die Füße denke ich vor dem Lackieren unten nummeriert, irgendwie gab es dann glaube ich Probleme, dass ich nicht mehr wußte, was oben und was unten war. Also beim Bauen muss man sehr darauf achten, dass man die Teile nach dem Lackieren wieder so zusammenbekommen kann, wie sie vorher waren, das Problem ist eben, dass durch das Lackieren alle Bleistift Markierungen verschwinden.

Auch die Aussparungen für die Stiftem die durch die Beine gesteckt werden und die Platten tragen, wurden durch den Lack etwas geändert.

Für einen guten Entwurf im Vornhinein ist wichtig:  Was genau befindet sich an dem Ort, wo das Regal sein wird (Ich habe nicht berücksichtigt, dass das Regal neben dem Kühlschrank steht und an dieser Seite meine beiden Handtücher am Kühlschrank hingen. Die müssen jetzt woanders hin. Das Öffnen des Kühlschrankes funktioniert weiter sehr gut, aber geplant hatte ich das nicht, ich hatte einfach Glück.

Man sollte sich ggf. die Fragen stellen: 

Wie verändert das Regal die Arbeitsabläufe in der Küche ?

Kann ich weiterhin gut reinigen an dem Ort ? Denn das Regal versperrt jetzt z.B. komplett den Bereich hinter dem Kühlschrank.

Muss ich das Regal evtl. komplett leermachen und woanders hinstellen, wenn ich die Küche reingen muss ?

Können benachbarte Kücheneinrichtugen wie Kühlschrank nun ebenfalls schwieriger gereingt werden, bzw. muss für die Reinigung des Kühlschranks das Regal ausgeräumt und entfernt werden ?

Über all das hatte ich mir keine Gedanken gemacht, und das muss auch nicht sein, weil ich ja kein professioneller Küchendesigner bin. Wenn Fehler entstehen, dann ist das halt so. Im Rahmen meiner Möglichkeiten (Wohnzimmerwerkstatt) muss man akzeptieren, dass Grenzen entstehen und Fehler einfach passieren.

Weiterhin ist es mir bewusst, dass die verwendeten Lacke eine Umweltbelastung darstellen. Ich denke aber, dass der Recycling-Effekt deutlich überwiegt und ich möchte das Möbelstück ja auch „ewig“ behalten und niemals wegwerfen, bis es nicht einfach nicht mehr nutzbar wird.

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